Aktfotografie

Ich will selbst Aktbilder von meiner Frau / Freundin oder Bekannten machen – wie gehe ich das an? Wenn Du so weit bist, dann hast Du das Schwierigste schon geschafft: Jemanden darauf anzusprechen, ob er nicht Lust hat, sich fotografieren zu lassen. Ich…

Aktfotografie


Ich will selbst Aktbilder von meiner Frau / Freundin oder Bekannten machen – wie gehe ich das an?

Wenn Du so weit bist, dann hast Du das Schwierigste schon geschafft: Jemanden darauf anzusprechen, ob er nicht Lust hat, sich fotografieren zu lassen.

Ich musste vor ein paar Jahren feststellen, dass es wirklich ein Teufelskreis sein kann… Ohne eine ordentliche Fotomappe mit eigenen Bildern ist es schwer jemanden für Aktbilder zu begeistern. Ohne ein Modell bekommen man keine eigenen Arbeiten zum Vorlegen zusammen. Hier kann ein Workshop bei einem Fotostudio oder einer VHS helfen.

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Leider sind viele dieser “Workshops” ein unkoordiniertes Rudel-Schiessen. Man sollte sich daher vorher gut über den Referenten/Fotografen informieren. Wer aus dem Raum München kommt, sollte sich das Programm der VHS München Nord einmal ansehen. Die Kursleiter sind alles zu empfehlen, und die Kurse bringen einen wirklich weiter. Ich selbst habe dort meine ersten Erfahrungen gesammelt.

Um es Einsteigern ein wenig einfacher zu machen, habe ich hier meine Erfahrungen zusammen getragen. Diese kleine Checkliste von mir erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber sicher schon mal ein guter Einstieg in dieses „heikle“ Thema. Wer noch einen guten Tip hat, bitte kurzes Mail an mich. Ich baue das dann gleich hier auf der Seite ein.


Vorgespräch führen

Vor den Fotoaufnahmen sollte immer ein Gespräch mit dem Modell geführt werden. Dabei ist die Art der Aufnahmen zu klären (Portrait, Erotik, Teilakt, Akt) und was sich das Modell an Bildern vorstellt (Kleidung, Ort der Aufnahme etc.). Versucht bei dem Gespräch auch mit dem Modell ein wenig “warm” zu werden. Nur wenn die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt, kommen gute Bilder dabei raus.
Basierend auf dem Vorgespräch, sollte man sich einen Plan für das Shooting erstellen: Welche Posen, Lichtsetzung, Kleidung und kleinen Skizzen für das Modell. So hat man ein Regiebuch mit dem man ein professionelles Bild abgibt und man steht nicht auf einmal da und weiss keine Posen mehr :-) Ich selbst drucke mir meist ein paar Beispielbilder aus, die ich versuche so oder ähnlich umzusetzen.

Achtung: Die individuelle Auslegung, was z.B. ein Erotik Shooting sein soll, kann stark variieren.

Modellvertrag

Bei Fotografien mit fremden Modellen sollte immer ein Modellvertrag geschlossen werden. Siehe hierzu meinen extra Punkt Modellvertrag.


Zeitplanung

Für die Aufnahmen selbst sollte man sich viel Zeit lassen. Ein Shooting mal eben in einer Stunde klappt meistens nicht. Man sollte schon 2-4 Stunden als Minimum einplanen. Fotograf wie auch Modell sollten am besten keine Folgetermine haben. Dann hat man keinen Druck. Meine besten Bilder entstehen meist am Ende eines Shootings, da sowohl Modell wie auch Fotograf dann ganz entspannt sind :-)
Man sollte sich vor den ersten Bilder auch etwas Zeit nehmen, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Bei einer Tasse Kaffee kann man z.B. seine Bildideen besprechen, die man sich bereit gelegt hat (siehe Punkt 1). Dadurch verliert sowohl das Modell wie auch der Fotograf die Nervosität – ja, liebe Modelle, nicht nur ihr seit aufgeregt…


Begleitperson

Bietet dem Modell an, dass es eine Begleitperson mitbringen kann. Das gibt dem Modell ein gewisses Vertrauen, dass Ihr die Situation nicht ausnutzen wollt. Es ist auch ein gewisser Schutz für Euch selbst, dass Ihr nicht auf einmal wilden Anschuldigungen ausgesetzt seid… ihr hättet das Modell “angegrabscht”. Auch als Reflektorhalter ist eine Begleitperson praktischer Weise einzuspannen. Und: schon manche Begleitperson hat während dem Fotoshooting gefallen daran gefunden, und will selbst Bilder von sich haben. Der eigene Partner oder Ehemann ist oftmals nicht der optimale Begleiter. Es entsteht oft eine gewisse Eifersucht bzw. Druck, der für die Aufnahmen nicht gerade förderlich ist. Man sollte das Thema vorab klären. Meine Erfahrung ist, dass sich Modelle, die das erste mal vor der Kamera stehen leichter tun, wenn man nur zu zweit am Set ist. Es kostet schon genug Überwindung sich vor einer Person aus zu ziehen. Wenn dann noch mehrere Leute rumstehen…


Unterwäsche

3-4 Stunden vor den Aufnahmen sollte das Modell möglichst keine Unterwäsche tragen. Die Streifen, die die Wäsche zurück lässt, sieht man wirklich auf jedem Bild. Bei manchen Damen habe ich tolle Wäsche mit breiten Bündchen gesehen, die in dieser Beziehung unkompliziert ist – aber ob die jeder hat? Rechts ein Beispiel für einen zu spät ausgezogenen BH. Sollte es dennoch mal vergessen werden und die Zeit drängen, dann hilft einen heiße Dusche. Durch das warme Wasser verschwinden die Druckstellen recht schnell. Am besten zieht sich das Modell bei der Vorbesprechung (siehe Punkt 3) bereits etwas bequemes an. Dann sollten Druckstellen nicht mehr sichtbar sein. Zum Umziehen sollte dem Modell ein kleiner Nebenraum zur Verfügung gestellt werden. Auch wenn es danach nackt vor der Kamera posiert, ist der Moment des Ausziehens doch recht intim.


Bademantel / Make-Up

Beim Shooting sollte ein Bademantel zur Verfügung gestellt werden. Schließlich soll das Modell nicht die ganze Zeit nackt durch die Gegend laufen. Am besten auch Handtücher etc. im Bad bereit legen. Sollte es kalt sein, auch ein paar Decken parat haben. Das Modell braucht einen Raum mit Spiegel, in dem das Make-Up korrigiert werden kann. Dazu kann das eigene Bad genutzt werden oder eine kleine Schmink-Ecke im Studio eingerichtet werden. Über eine professionelle Visagistin vor dem Shooting bitte nachdenken. Der Profi schminkt wirklich ganz anders und vor allem nicht so wie man es immer macht. Die Ergebnisse sind meistens wirklich nicht zu vergleichen. Als Tipp: Zum Shooting selbst, sollte das Modell möglichst ungeschminkt erscheinen. Das Make-up sollte erst vor Ort auf die Bildidee abgestimmt werden. Ich persönlich ziehe es im Aktbereich vor, erst einmal komplett auf ein Make-up zu verzichten. Das wirkt für mich natürlicher. Wenn man viel mit Schmuck und Stoffen arbeitet, kann man die Wirkung mit “Farbe” im Gesicht unterstützen.


Studio

Wenn die Aufnahmen bei Euch zu Hause statt finden, sollte alles fertig aufgebaut sein, bevor das Modell kommt. Akkus laden, Speicherkarten formatieren etc. Es macht keinen guten Eindruck, wenn man noch stundenlang Rumkramen muss, bis es los gehen kann. Zu Beginn nicht gleich mit dem vollen Equipment los legen, sondern erst mal weniger Licht einsetzen. Für ein Modell, dass zum ersten mal vor der Kamera steht, ist alles ungewohnt. Wenn man dann gleich voll im Rampenlicht steht…. weniger ist da oft mehr.


Outdoor

Bei Aufnahmen in der freien Wildbahn bitte immer das Wetter und die Temperaturen im Auge haben. Wenn das arme Modell bei 10 Grad nackt rum steht, ist es bald mit erotischen Bildern vorbei. Bei

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solchen extremen Situationen immer für eine Aufwärmmöglichkeit sorgen und die Shootingdauer so kurz wie möglich halten. Der Aufnahmeort sollte möglichst abgelegen sein. Publikumsverkehr kann vor allem einen Anfänger im Modellbereich, sehr schnell verunsichern. Sucht Euch also am besten eine alte Fabrikhalle, ein Flachdach,ein Feld oder Waldstück, wo nicht alle Nase ein Jogger vorbei kommt. Wenn man etwas sicherer geworden ist, kann man sich ja an eine etwas “öffentlichere” Location ran wagen.


Kontrolle der Bilder

Dem Modell regelmäßig die eigenen Bilder zeigen. Entweder an der Kamera, oder am PC/Laptop. Wenn man sich selbst sieht, dann kann man die Posen besser einschätzen und eventuelle Korrekturen vornehmen. So bekommt man meist auch recht schnell die Schokoladenseiten des Modells heraus. Die Kontrolle der Bilder baut ausserdem ein Vertrauensverhältnis zwischen Modell und Fotograf auf. Wenn das Modell sieht, dass ästhetische Aktbilder entstehen, macht es den Damen meist noch mehr Spaß zu Posen.


Klare Anweisungen

Das musste ich selbst auch lernen: Ein Fotomodell erwartet klare Anweisungen durch den Fotografen. Wartet nicht darauf, dass das Modell schon irgendwie, irgendeine Pose einnehmen wird. Das klappt nur bei Profi-Modellen. Daher ist ein Regiebuch wie in 1) beschrieben nicht verkehrt, da man so das Modell gut führen kann. Bitte nicht in einen Bundeswehr Befehlston verfallen! Aber das sollte eigentlich selbstverständlich sein.


Anfassen

Was ein absolutes “no go” ist, ist am Modell herum zu zupfen oder das Aktmodell (intim) zu berühren. Wenn bei den Aufnahmen etwas stört, bitte durch das Modell selbst korrigieren lassen, Ausnahme: Ihr fragt vorher nach, ob es in Ordnung ist, dass ihr die Haarlocke, Bluse etc. korrigiert. Ich würde dies aber nur bei guten Freunden empfehlen.


Getränke / kleine Snacks

Ihr solltet alkoholfreie Getränke und ein paar kleine Knabberein im Studio haben. Fotografieren ist eine anstrengende Arbeit und man sollten den Wasser und Zuckerspiegel immer auf dem richtigen Niveau halten. Und ihr wollt doch nicht, dass das Modell zusammenklappt? Manche Modelle essen vor dem Shooting auch nichts, weil sie Angst haben, einen dicken Bauch zu bekommen. Da kommt der kleine Hunger immer sehr schnell.


Pause

Wenn man so richtig mit Schwung am Fotografieren ist, vergisst man schon mal gerne die Zeit. Bitte vergesst nicht regelmäßig eine Pause zu machen. Es ist vor allem für ein neues Modell anstrengend zu Posen. Eine konkrete Empfehlung für die Shooting- und Pausendauer gibt es nicht. Hier muss man einfach ein gewisses Gefühl für die Situation entwickeln. In den Pausen kann man auch sehr gut die ersten Ergebnisse mit Modell ansehen und Korrekturen am Licht und den Posen vornehmen. Randbedingungen :-)

Entspannter läuft es, wenn bei weiblichen Modellen dieses nicht gerade seine Tage hat. Sollte man in einem Nebensatz ansprechen… Man kann da ja ganz gut hochrechnen, wann es wieder so weit ist. Ich hoffe, dass die kleine Tip-Sammlung Euch ein wenig weiter hilft. Ich stehe natürlich jederzeit per Mail zur Verfügung, wenn noch Fragen offen sind. Zur Technischen Umsetzung gibt es im Bereich Studioblitz ein paar Tipps. Buchtipp: “Die neue Akt Fotoschule” von Martin Sigrist (fand ich ganz brauchbar)

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